Dass niemand gern im Stau steht, ist kein Wunder. Es geht nicht vorwärts, es meist laut und zu warm oder kalt und außerdem wird der gesamte Zeitplan durcheinander gewirbelt. Man kann als Fahrer allerdings mit dem richtigen Verhalten dazu beitragen, dass es bald wieder voran geht. In den allermeisten Fällen sind nämlich die Verkehrsteilnehmer selbst daran schuld, dass ein Stau immer länger wird und sich nur sehr langsam wieder auflöst.

Darum gibt es hier eine Übersicht über die wichtigsten Verhaltensregeln für im Stau stehende Verkehrsteilnehmer.

Richtiges Verhalten am Stauende

Um gar nicht erst in einen Stau zu geraten ist es wichtig, sich vor der Fahrt über die aktuelle Verkehrssituation zu informieren, um gegebenenfalls eine alternative Route zum Ziel wählen zu können. Während der Fahrt kann man sich mit dem Verkehrsfunk ständig auf dem Laufenden halten und dementsprechend auf neue Staumeldungen reagieren.

Das hilft natürlich nicht, wenn es keine sinnvolle Alternativroute gibt oder der Stau gerade erst entsteht. Um sich selbst nicht zu gefährden ist vorausschauendes Fahren unheimlich wichtig. Das Beobachten der vorausfahrenden Fahrzeuge, insbesondere deren Bremslichter, sorgt dafür, dass man so früh wie möglich reagieren, die Warnblinkanlage einschalten und bremsen kann.

Dabei bremst man so sanft wie möglich, damit auch der Hintermann genug Reaktionszeit hat und einen Auffahrunfall vermeiden kann. Wenn man ein Stauende entdeckt sollte man keinesfalls noch eben schnell die Spur wechseln oder sogar versuchen, die Autobahnabfahrt neben einem doch noch zu erwischen. Das Unfallrisiko ist viel zu hoch, da die anderen Verkehrsteilnehmer selbst auf den Stau reagieren müssen und dementsprechend abgelenkt sind und nicht mit einem spontanen Spurwechsel eines anderen Fahrzeugs rechnen.

Wichtig: Rettungsgasse bilden und Standstreifen freihalten

Der Großteil aller Staus ist auf Unfälle zurückzuführen. Gerade auf der Autobahn ist es leider sehr oft so, dass es bei Verkehrsunfällen Tote oder Verletzte gibt. Diesen muss zu allererst geholfen werden und da oftmals jede Sekunde zählt, müssen Rettungsfahrzeuge den Unfallort so schnell wie möglich erreichen können. Bei Unfällen ohne Personenschäden ist grundsätzlich die Polizei hinzuzuziehen. Je länger es dauert bis sie vor Ort ist, desto länger dauert es auch, bis die Unfallstelle geräumt und die gesamte Autobahn wieder freigegeben werden kann.

Deswegen sind Verkehrsteilnehmer im Stau verpflichtet, eine Rettungsgasse zu bilden. Es gibt klare Regeln, wie und wo eine Rettungsgasse zu bilden ist. Die Fahrzeughalter steuern ihr Vehikel so nah an den Rand der Autobahn, dass zwischen dem eigenen Fahrzeug und dem Nebenmann eine freie Spur entsteht, die für Feuerwehr- und Polizeifahrzeuge breit genug ist.

Die Rettungsgasse verläuft auf zwei- oder vierspurigen Autobahnen in der Mitte. Auf dreispurigen Autobahnen wird sie zwischen der mittleren und der linken Spur gebildet. Es ist verboten, die Rettungsgasse zu benutzen, um selbst schneller voranzukommen. Auch einem Rettungsfahrzeug auf der Rettungsgasse hinterher zu fahren ist nicht erlaubt. Ebenso wenig darf man den Standstreifen der Autobahn benutzen. Dieser hat für die Rettungskräfte ebenfalls frei zu bleiben und darf lediglich befahren werden, wenn es zum Bilden einer Rettungsgasse auf einer zweispurigen Autobahn notwendig sein sollte.

Aussteigen verboten

Auch wenn es noch so verlockend ist, sein Fahrzeug während eines Staus zu verlassen, um sich einen besseren Überblick über die Situation zu verschaffen, sollte man in seinem Gefährt bleiben, denn Aussteigen ist auf der Autobahn verboten. Es verlangsamt in hohem Maße die Reaktionszeit, sollte sich der Verkehr wieder in Bewegung setzen und außerdem besteht die Gefahr, von einem unaufmerksamen Verkehrsteilnehmer oder gar einem schnell herannahenden Rettungsfahrzeug angefahren zu werden.

Spurwechsel helfen nicht weiter

Dass man schneller voran kommt, wenn man bei stockendem oder zäh fließendem Verkehr ständig auf die Spur wechselt, die sich gerade schneller bewegt, ist ein Mythos, der sich sehr hartnäckig hält. Man selbst mag vielleicht das subjektive Gefühl haben, Zeit zu sparen, jedoch wirkt man aktiv daran mit, dass der Stau immer länger und länger wird. Das ist dem Ziehharmonikaeffekt geschuldet.

Ein Stau löst sich am schnellsten auf, wenn die Blechlawine wieder ordentlich ins Rollen kommt. Wer nun meint, er könne den Stau schneller hinter sich bringen, wenn er sozusagen auf eine rollende Spur aufspringt, der irrt. In Wirklichkeit zwingt er nämlich die Fahrzeuge hinter der Lücke, in die er fährt, zum Bremsen, weswegen logischerweise auch alle Fahrzeuge dahinter auf die Bremse treten müssen.

Der Verkehr auf der Spur wird demnach insgesamt stark verlangsamt und die Blechkarawane zieht sich wie eine Ziehharmonika zusammen. Zusätzlich zur allgemeinen Geschwindigkeitsreduzierung erhöhen solche Spurwechsel auch das Risiko für Auffahrunfälle enorm.

Ähnliches gilt für Motorradfahrer, die der Meinung sind, sich zwischen den Fahrzeugen hindurchschlängeln zu müssen. Damit verstoßen sie nicht nur gegen die Verkehrsregeln und ziehen sich den Unmut der anderen Verkehrsteilnehmer zu, sondern begeben sich auch noch in große Gefahr.

Einerseits ist das Risiko sehr hoch, mit dem Motorrad ein anderes Fahrzeug zu beschädigen. Andererseits besteht stark erhöhte Unfallgefahr, da die anderen Verkehrsteilnehmer nicht mit Motorrädern zwischen den einzelnen Spuren rechnen und sie auch leicht übersehen können. Es besteht somit die Gefahr, ernsthaft verletzt zu werden, wenn ein unachtsamer Autofahrer vor einem die Autotür öffnet oder sich doch spontan für einen Spurwechsel entscheidet.

Langsam weiterfahren ist wichtig

Damit der Verkehr wieder anständig in Fluss kommen kann, sollte man nicht versuchen, jedes freie Stückchen Autobahn so schnell wie möglich zu bewältigen. Das führt nur dazu, dass sich das Unfallrisiko erhöht und sich durch notwendiges Bremsen der bereits zuvor geschilderte Ziehharmonikaeffekt einstellt. Es am Ende deutlich effektiver, einen langsamen aber konstanten Verkehrsfluss zu entwickeln, welcher sich nach und nach wieder zu dem üblichen Verkehrsfluss auf einer Autobahn entwickelt.

Das Reißverschlussprinzip ist vorgeschrieben

Das wohl größte Ärgernis am Anfang eines Staus sind die Verkehrsteilnehmer, die das Reißverschlussprinzip ignorieren oder es entweder einfach nicht verstehen können oder wollen. Dieses Prinzip anzuwenden ist vorgeschrieben und funktioniert folgendermaßen:

Vor einer Verengung der Autobahn, die in der Regel mit einer Reduzierung der befahrbaren Fahrspuren einhergeht, sind alle Verkehrsteilnehmer angehalten, die zur Verfügung stehenden Spuren auf ihrer vollen Länge zu nutzen. Erst direkt vor der Verengung, also dem Ende des befahrbaren Abschnitts der Fahrspur, wechselt man auf die nächstgelegene freie Fahrspur.

Halten sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regel, dass die Fahrzeuge der endenden Fahrspur und der, auf die zu wechseln sie gezwungen sind, jeweils abwechselnd die Engstelle passieren sollten, würde ein langsamer, jedoch konstanter Verkehrsfluss entstehen, durch den kilometerlange Rückstaus verhindert würden. Das frühzeitige Wechseln der Fahrspur bewirkt, dass unnötig viel gebremst werden muss, was erneut zum lästigen Ziehharmonikaeffekt führt.